Erweiterter Lexikoneintrag - Leitfähigkeit
O O
Spezialwissen Wasserkunde: Die elektrische Leitfähigkeit.
Leitfähigkeit Die Leitfähigkeit und ihre Funktion:

Unter der Leitfähigkeit versteht man die Summe der im Wasser gelösten Ionen. Da Ionen immer entweder positiv oder negativ geladen sind, leiten sie den elektrischen Strom, daher auch die Bezeichnung elektrische Leitfähigkeit oder Leitwert. Je mehr Ionen im Wasser vorkommen, desto stärker wird der Strom geleitet und umso höher ist infolgedessen die Leitfähigkeit. Dabei sagt die Leitfähigkeit nichts über die Art und die Zusammensetzung der gelösten Ionen oder Salze aus. Gleichzeitig mit der Leitfähigkeit steigt auch der osmotische Druck des Wassers.
Die Leitfähigkeit wird in µs/cm (Mikrosiemens/cm) gemessen.

Bedeutung der Leitfähigkeit für die Aquaristik:

Für die Aquaristik ist die Leitfähigkeit deshalb ein wichtiger Parameter, weil sie angibt, wie viel Salz im Wasser gelöst ist. Unter Salz ist hier aber nicht nur das aus therapeutischen Gründen verabreichte Kochsalz oder Seesalz zu verstehen, sondern vor allem die Härtebildner, also Calcium, Magnesium und das Karbonat, die chemisch gesehen nichts anderes als im Wasser gelöste Salze sind (Ca2+, Mg2+ und CO2-). Damit sind die Härtebildner die wichtigsten Verursacher der Leitfähigkeit im Wasser.
So erhöht 1° deutscher Gesamthärte die Leitfähigkeit um etwa 33 µs/cm.
Das Wissen über die Leitfähigkeit gibt zwar keine Information über die Art der im Wasser gelösten Ionen, sie ist aber eine wichtige Größe, die angibt, wie hoch der osmotische Druck des Wassers ist. Dieser wiederum beeinflußt den Stoffwechsel aller Wasserlebewesen außerordentlich. Bei den Fischen zum Beispiel, werden durch den osmotischen Druck die Wasseraufnahme, als direkte Folge die Harnausscheidung und damit auch wichtige Organfunktionen wie die Niere und die Geschlechtsorgane gesteuert.
Vor allem in der Natur tropischer Regionen unterliegt die Leitfähigkeit natürlichen Schwankungen. Bei Trockenheit steigt die Leitfähigkeit infolge der Wasserverdunstung und der sich im Restwasser konzentrierenden Salze, in der Regenzeit dagegen nimmt die Leitfähigkeit stark ab, da im Regen keine Salze gelöst sind und infolgedessen auch keine Härte vorliegt. Da für viele Fischarten die beginnende Regenzeit die Zeit der Fortpflanzung ist, konnte man durch die Senkung des Leitwertes im Aquarium viele Fischarten zur Fortpflanzung bringen, die in der Vergangenheit unter Aquarienbedingungen als unzüchtbar galten.

Möglichkeiten, die Leitfähigkeit im Aquarium zu beeinflussen:

Die Senkung der Leitfähigkeit im Aquarium ist dann angebracht, wenn in Gebieten mit besonders hartem Wasser typische Weichwasserfische wie der Rote Neon oder der Diskus gehalten oder gar gezüchtet werden sollen.
Neben technischen Möglichkeiten wie die Vollentsalzung mittels Ionenaustauscher oder die Benutzung einer Umkehrosmoseanlage sind flüssige Produkte wie amtra trop Mittel der Wahl, da sie preiswert und einfach einzusetzen sind. Von der Nutzung von Regenwasser wird wegen der starken Verunreinigung mit Luftschadstoffen heutzutage dringend abgeraten.
Die Erhöhung der Leitfähigkeit ist vor allem dann sinnvoll, wenn in ausgesprochenen Weichwassergebieten Hartwasserfische wie z.B. Malawicichliden gehalten werden sollen. Gesamt- und Karbonathärtebildner wie amtra kh-aktiv sind dann die empfohlenen Produkte.

Unser Tipp:
Die Bestimmung der elektrischen Leitfähigkeit kann nur mit elektrischen Geräten durchgeführt werden.