Erweiterter Lexikoneintrag - Purpur
O O
Spezialwissen:

Purpur
Purpur Das oder der Purpur (aus lateinisch purpura, dies entlehnt aus griechisch πορφυρά, porphyrá, Farbstoff von Schalentieren) bezeichnet z.B. eine Farbe bzw. einen Farbstoff.

Purpur war in der Antike eine Farbe bzw. Zierde der Kleidung, die nur hochgestellten Persönlichkeiten wie Senatoren oder Hohepriestern zustand. Später ging diese Symbolik auf den Papst und einige päpstliche Legaten über, bzw. in etwas anderer Farbgebung auf Oberrabbiner, Kardinäle (eher scharlachrot) und verschiedene Funktionen in der Diplomatie.

Der Meeresbiologe Félix Joseph Henri de Lacaze-Duthiers fand 1858, dass drei Mollusken im Mittelmeer purpur-blaue Farbstoffe produzieren. Eine, Murex trunculus, wurde von ihm als die Quelle des blauen Purpurs in der Bibel (2. Mose 26) bestimmt.

Als Purpurschnecke bezeichnet man Seeschnecken der Arten Murex brandaris und Murex trunculus sowie manchmal Purpura haemastoma.
Diese Schnecken sondern in einer Drüse, die in der Decke der Atemhöhle neben dem Mastdarm liegt, einen gelblichen Schleim ab, der im Sonnenlicht erst grün, dann blau, endlich purpurn und scharlachrot wird und dabei einen ekelhaften, lang anhaltenden Geruch erzeugt. Er wird aus einer schwach gelben Flüssigkeit hergestellt, die sich in der Hypobranchialdrüse des Tieres findet. Die Substanzmenge pro Tier ist dabei so gering, dass zur Herstellung von einem Gramm reinen Purpurs ungefähr 8000 Schnecken erforderlich sind. Die Drüsen der Tiere wurden herausgeschnitten und anschließend für einige Tage in Salz gelagert, danach wurden sie solange in Urin gekocht, bis nur noch ein Sechzehntel der Masse verblieb. Der zu färbende Stoff konnte dann darin getaucht werden.

Nach der Entnahme musste der Stoff während des Trocknens dem Licht ausgesetzt werden, damit die schwachgelbliche Ursprungsfarbe mittels einer Enzymreaktion in den gewünschten Rotton umschlug.

Der Farbstoff bildet sich auch bei Luftabschluss in Stickstoff oder Wasserstoff, aber nicht im Dunkeln. Man kann den farbgebenden Stoff aus den gepulverten Schnecken durch Alkohol und Ether ausziehen und aus der goldgelben Lösung scheidet sich der Purpur am Licht als körnig kristallines Pulver aus, welches in Wasser, Alkohol und Ether unlöslich, in siedendem Anilin jedoch löslich ist.