Der Fisch des Monats - April 2002

Prachtschmerlen - Asiens schönste Bodenfische

Während die Panzerwelse aus Südamerika sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreuen, führen die Prachtschmerlen aus Süd- und Südostasien ein Schattendasein in den Aquarien. Das ist nicht ganz nachvollziehbar, verbinden sich doch in den Prachtschmerlen schöne Färbung, lebhaftes Wesen und interessantes Verhalten, sodass diese Tiere ideale Aquarienfische darstellen

Was sind Prachtschmerlen?
Alle hier vorgestellten Arten gehören in die Gattung Botia. Auf deutsch nennt man sie allgemein Prachtschmerlen, da die bekannteste und am häufigsten gepflegte Art, B. macracanthus, so bezeichnet wird. Etwa 27 Arten werden derzeit von der Wissenschaft als "gute" Arten anerkannt, doch werden ständig neue Arten entdeckt und beschrieben. Ferner ist von anderen Arten der wissenschaftliche Status nur ungenügend bekannt. Daher muõ man wahrscheinlich von etwa 40 wirklich existierenden Arten ausgehen. In der Aquaristik sind davon nur relativ wenige Arten regelmäßig vertreten.
Zoologisch gesehen gehsren die Botia-Arten zu den Schmerlen (Cobitidae), einer Familie der Karpfenfische (Cypriniformes). Innerhalb der Schmerlen bilden sie zusammen mit einigen anderen Gattungen die Unterfamilie Botiinae.
Wie alle Schmerlen besitzen die Botia-Arten unter dem Auge einen ausklappbaren, messerartigen Stachel, den sie sehr effektiv als Waffe einsetzen können.

Wie groß werden die Botia-Arten?
Es gibt nur wenige Fischgattungen, in der so enorme Unterschiede bezüglich der Endgröße existieren, wie bei den Botia-Arten. Eine der kleinsten Prachtschmerlen ist die Schachbrettschmerle, Botia sithimunki. Sie erreicht gerade mal 6 cm Gesamtlänge. Die sehr beliebte und wohl am häufigsten gehaltene Prachtschmerle B. macracanthus ist dagegen einer der Riesen der Gattung und erreicht im Laufe der Jahre etwa 30 cm Länge. Man sollte sich im Falle der Prachtschmerlen also gut über die einzelnen Arten informieren, damit das Aquarium entsprechend groß gewählt werden kann.

Einzel- oder Schwarmhaltung?
Die Angaben in der Literatur zu dieser Frage sind auf den ersten Blick widersprüchlich. Werden doch manche Arten als sehr streitsüchtig und andere als sehr friedfertig geschildert. Tatsächlich sind aber wohl alle Prachtschmerlen Schwarmfische, die nur dann streitsüchtig werden, wenn sie in zu kleinen Gruppen (unter 6 Tieren) gehalten werden. Daher sollte man von vornherein vom Kauf absehen, wen man nicht in der Lage ist, einen ganzen Schwarm zu pflegen.

Was fressen Prachtschmerlen?

Diese Fische sind grundsätzlich carnivor, das bedeutet fleischfressend. In der Natur umfaßt das Nahrungsspektrum wahrscheinlich in erster Linie Larven von Wasserinsekten und verschiedene Würmer. Im Aquarium wird eine andere Freßgewohnheit der Tiere dagegen sehr geschützt: Sie lieben Schnecken! Es gibt nur wenige andere Fischarten, die so zuverlässig eine Schneckenplage beenden. Leider kaufen viele Aquarianer/innen aus diesem Grund einzelne Prachtschmerlen. Das sollte man nicht tun, wie bereits ausgeführt wurde. Ansonsten fressen die Tiere im Aquarium jegliches Flocken- und Frostfutter, z.B. amtra sano basic trio.

Was ist bei der Einrichtung des Aquariums zu beachten?
Andere Schmerlen graben sich gerne ein. Botia-Arten tun dies nur gelegentlich. Aber auch sie haben ein natürliches Verlangen nach guten Verstecken. Besonders gern kriechen sie in Bambusröhren passender Dicke. Die Fischfänger in Asien machen sich das übrigens zunutze: Sie legen solche Bambusröhren über Nacht im Gewässer aus und brauchen am nächsten Morgen die Prachtschmerlen nur herauszuschütteln. Also: Versteckmöglichkeiten sind wichtig. Ansonsten gilt, dass der Bodengrund nicht zu grobkörnig und auf keinen Fall scharfkantig sein darf. Pflanzen werden nicht behelligt, allerdings sollte der Wurzelbereich mit etwas größeren Steinen geschützt werden, damit die Schmerlen die Pflanzen nicht versehentlich herauswühlen.

Sonstige Pflegebedingungen

An die Wasserwerte werden keinerlei besondere Ansprüche gestellt. Auch wenn die Prachtschmerle B. macracanthus in der Natur in sogenanntem Schwarzwasser vorkommt, toleriert sie hSrteres und leicht alkalisches Wasser. Die anderen Arten sind diesbezüglich ebenfalls anspruchslos. Allerdings sollte das Aquarium für Botia-Arten gut gefiltert sein, da diese Fische von Haus aus Fließgewässer bewohnen.
In der Eingewöhnungsphase ist zu beachten, dass die Botia-Arten recht empfänglich gegenüber der Pünktchenkrankheit (Ichthyophthirius) sind. Daher sollte man ein Heilmittel gegen diese Krankheit immer zu Hause haben.

Zucht
Die Zucht von Botia-Arten ist im Aquarium bislang nur zufällig und vereinzelt gelungen. Die Tiere führen in der Natur Laichwanderungen durch. Im Aquarium muss man daher den Jahresrhythmus der Tiere imitieren, um zum Erfolg zu gelangen. Eine Botia-Art, die bereits erwähnte Schachbrettschmerle, verdankt ihre wissenschaftliche Entdeckung und ihr Überleben übrigens der Aquaristik. Sie wurde erst 1959 entdeckt. In der Natur soll sie in den 80er Jahren ausgestorben sein, weil durch ein Staudammprojekt der Lebensraum vernichtet wurde. Als man das erkannte, wurden aus Aquarienexemplaren Zuchtgruppen aufgebaut, von denen die heute gehaltenen Tiere allesamt abstammen. Ein schönes Beispiel dafür, dass die Aquaristik auch aktiv betriebener Artenschutz sein kann.

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