Der Fisch des Monats - Juli 2005
 

Dreifarbige Schleie
Neue Zuchtformen bei Gartenteichfischen

Obwohl die Kaltwasseraquaristik insgesamt nur eine Nebenrolle im Hobby spielt, sind neue Zuchtformen bei einigen Fischarten entstanden, die vor allem für die Gartenteichhaltung vermehrt werden, aber auch im Aquarium echte Hingucker darstellen.

Vielfarbige Schleien
Die Schleie, Tinca tinca, ist bereits in der Wildform ein schöner Fisch. Lange kennt man eine goldfarbige Zuchtform, die Goldschleie (siehe: Wahre Goldstücke April 05). Jetzt tauchten 2004 erstmals auch dreifarbige Schleien auf dem Markt auf, deren Farbverteilung (rot, schwarz und weiß) häufig an die der Kois erinnert. Neben diesen sehr attraktiven Fischen gibt es jetzt auch rein weiße Schleien, weiße Schleien mit goldenem Rücken und viele verschiedene zweifarbige Kombinationen, wobei gold und schwarz die vorherrschenden Farben sind.

Die Zukunft wird zeigen, ob diese Fische sich reinerbig vermehren lassen. Die Geschlechter sind bei Schleien ab etwa 10 cm Länge völlig problemlos zu unterscheiden, weil die Männchen dann stark vergrößerte Bauchflossen entwickeln.
Schleien eignen sich gut für die Zimmeraquarienhaltung, weil sie auch gegen höhere Temperaturen bis 28°C völlig unempfindlich sind. Wenn man züchten will, muss man aber kalt überwintern.

Goldbitterlinge
Diese Zuchtform des mitteleuropäischen Bitterlings, Rhodeus amarus, ist eine Saisonneuheit. Obwohl bei nahezu allen einheimschen Fischen bereits Goldformen in freier Natur angetroffen werden (man bezeichnet diese auf eine Mutation beruhende Verfärbung als Xanthorismus), ist diese beim Bitterling zumindest bisher nicht kommerziell gezüchtet worden.


Goldbitterling-Männchen


Goldbitterling-Weibchen

Man kann in solchen Fällen immer streiten, ob die Goldform schöner als die Naturform ist oder nur ein trauriger Abklatsch derselben. Doch es ist und bleibt eine Tatsache, dass jeder Fischkenner, ob Gegner oder Befürworter von Zuchtformen, spontan innehält und interessiert schaut, wenn er eine solche neue Form erstmals zu Gesicht bekommt.

Die Blaue Orfe
Diese interessante Zuchtform, die im Gegensatz zu den zwei vorherigen schon etwas länger bekannt ist, ist keinesfalls eine Verwandte der ”Forelle, blau”.


Blauorfe

Es handelt sich vielmehr um eine weitere Zuchtform der Orfe (Leuciscus idus), analog der schon seit Jahrzehnten bekannten Goldorfe, über die wir in der letzten Ausgabe der news berichteten. Bei der Blauen Orfe ist der Rücken blauschwarz, der Bauch hingegen weißsilbern. Dadurch wirkt dieser Fisch auch im Aquarium, bei seitlicher Ansicht, ziemlich attraktiv. So richtig blau wirkt der Fisch jedoch nur in der Draufsicht, und das auch nur bei kristallklarem Wasser.

Die Orfe ist ein ziemlich großwüchsiger Fisch, der in entsprechend großen Teichen leicht über 50 cm lang werden kann. Temperaturen über 22°C werden auf die Dauer schlecht ertragen. Hält man Orfen im Zimmer, so ist auf einen schattigen Standort des Aquariums im Sommer zu achten.


Blauorfe dorsal

Die Zucht von Orfen gelingt üblicherweise weder im Aquarium noch im Teich, denn Orfen sind Wanderfische, die stromaufwärts ziehen, um zu laichen. Nur in Gartenteichen mit integriertem Bachlauf, vor dessen Auslauf man eine ordentliche Kiesbank aufschütten muss, ist damit zu rechnen, dass sich die Orfen natürlich vermehren. In den Fischzuchtanstalten gewinnt man Laich und Milch gewöhnlich durch Abstreifen und befruchtet anschließend künstlich.


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