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Ihre Majestäten geben sich
die Ehre: Die Gattung Aulonocara umfasst einige der farbenprächtigsten Buntbarsche des Malawisees. Zusätzlich haben diese Fische ein ruhiges, majestätisches Verhalten. Sie tragen den Namen ”Kaiserbuntbarsche” wahrhaft zu recht! Manche der Arten der Gattung, die wir normalerweise im Aquarium pflegen, sind in der Natur Bewohner von Unterwasser-Grotten in Küstennähe. Darauf deuten schon die großen, ausdrucksvollen Augen hin. Sie mögen es also etwas dämmerig. Andere Arten der Gattung, die jedoch seltener oder bislang noch nicht in Aquarien gelangt sind, leben über Sandböden oder in großen Tiefen. Interessanterweise sind die Sandbodenbewohner meist in der Dämmerung aktiv. Man könnte Aulonocara also als Buntbarsche verstehen, die sich an schlechte Lichtverhältnisse optimal angepasst haben. Darauf deutet auch ein weiteres, typisches Merkmal der Kaiserbuntbarsche hin: Die stark vergrößerten Sinnesgruben im Kopfbereich, die zum Seitenlienienorgan zählen. Das Seitenlinienorgan ist der 6. Sinn der Fische, ein hochsensibler Spürsinn, der ihnen unzählige Informationen über ihre Umwelt liefert. So können Fische damit z.B. Hindernisse oder auch Beutetiere wahrnehmen, die sie nicht sehen können. Wir nutzen diese Fähigkeit der Fische im Aquarium tagtäglich aus: Das Seitenlinienorgan ist der Grund, weshalb Fische die Glasscheiben des Aquariums rechtzeitig wahrnehmen, bevor sie dagegen schwimmen, obwohl Glas bekanntlich durchsichtig ist - und damit für die Fische unsichtbar. Wie gesagt, bei Aulonocara ist das Seitenlinienorgan besonders stark im Kopfbereich entwickelt und dient neben der Orientierung sicherlich auch dem Beutemachen im düsteren Lebensraum.
Es muss aber gesagt werden, dass eine Vielzahl, gerade der am häufigsten gehaltenen Arten, weder in der Natur noch im Aquarium ein Höhlenleben führen oder eine Dämmerungsaktivität zeigen. Sie leben in der Natur im Übergangsbereich zwischen Fels- und Sandbiotopen und gehen abends schlafen, wie andere Fische auch. Es ist noch ungeklärt, ob diese Flachwasserbewohner von Höhlenbewohnern, Tiefseefischen oder dämmerungsaktiven Arten abstammen und ihre Spezialanpassungen (große Augen, Sinnesgruben am Kopf) einfach nur aus den Speziallebensräumen mitgebracht und behalten haben. Trotz der Spezialisierungen, die einen Kaiserbuntbarsch auf den ersten Blick als solchen erkennen lassen (die aquaristisch bedeutungslosen engen Verwandten der Gattung Alticorpus seien an dieser Stelle einmal vernachlässigt) sind die Vertreter der Gattung Aulonocara aber genetisch scheinbar noch nicht sonderlich weit von anderen Gattung haplochrominer Buntbarsche im Malawisee entfernt. Unter Aquarienbedingungen kreuzen sie sich leicht z.B. mit Sciaenochromis ahli und die Jungtiere sind untereinander mehrere Generationen uneingeschränkt fruchtbar.
Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung vieler Aquarianer tragen Kreuzungsexperimente allerdings nur relativ wenig zur Art- oder Gattungsbestimmung bei. Viele Tierarten lassen sich experimentell kreuzen, obwohl sie das in freier Natur nie tun würden. Somit funktioniert der Kreuzungs-Beweis, dass es sich bei zwei ähnlich aussehenden Tieren um verschiedene Arten handelt immer nur dahin gehend, dass es als Artbeweis gelten kann, wenn die Nachkommen einer Kreuzung untereinander nicht uneingeschränkt fruchtbar sind, aber nicht anders herum. Für die aquaristische Praxis ist es aber sehr wichtig, um diese leichte Kreuzbarkeit der Kaiserbuntbarsche zu wissen. Man sollte sich davor hüten, mehrere Arten Kaiserbuntbarsche in einem Aquarium gemeinsam zu pflegen, zumindest dann, wenn man die nahezu zwangsläufig anfallenden Jungfische aufziehen möchte. Die Weibchen der verschiedenden Arten sind ohnehin schon schwer auseinander zu halten und unter Aquarienbedingungen kommt es sehr leicht zu Kreuzungen. Solche Kreuzungsprodukte braucht aber wirklich niemand.
Auch mit Mbuna-Cichliden, also den felsbewohnenden Arten der Pseudotropheus-Verwandtschaft im weitesten Sinne, sollte man Aulonocara-Arten selbst in sehr großen Aquarien besser nicht vergesellschaften. Diesmal ist es nicht die Kreuzungsgefahr, sondern die quirligen Mbunas gehen den ruhigen Kaiserbuntbarschen nur allzu leicht auf den Wecker. Hinzu kommen völlig unterschiedliche Ansprüche an die Nahrung. Bessere Gesellschafter sind hingegen die großen, ruhigen Sandbaggerer wie der Malawi-Beulenkopf Cyrtocara moorii, oder auch die leisen Räuber der Gattung Nimbochromis, wie der Schläfer, N. livingstonii, der prächtige Venustus-Barsch N. venustus oder auch N. fuscotaeniatus.
Die
Pflege der stolzen Kaiserbuntbarsche gelingt auch Anfängern
in der Aquaristik leicht. Es sind sehr anspruchslose Tiere,
die sich mit allen gängigen Frost-, Trocken- oder
Lebendfuttersorten leicht ernähren lassen. Allerdings neigen
sie zum Verfetten, also sollte sparsam gefüttert werden. Das
Wasser im Aquarium sollte nicht weich und nicht sauer sein,
die Temperatur bei 24-26°C liegen. Ansonsten gelten die
allgemeinen Regeln der Fischpflege, also regelmäßiger
Teilwasserwechsel und sparsamer Besatz. Die Endgröße der in
der Aquaristik verbreiteten Kaiserbuntbarsche liegt, je nach
Art, bei 8 bis 15 cm, in Ausnahmefällen können sehr alte
Tiere auch noch etwas größer sein. Für ein Artenaquarium
genügt deshalb ein 1-m bis 1,20-m-Becken, ein
Gesellschaftsaquarim sollte entsprechend größer sein.
Pflanzen werden von Aulonocara-Arten nicht behelligt. Da
auch Kaiserbuntbarsche agame Maulbrüter im weiblichen
Geschlecht sind, sollte man pro Männchen 3-5 Weibchen
rechnen. Kaiserbuntbarsche sind relativ friedliche Tiere,
wobei das Wort ”relativ” sehr ernst zu nehmen ist. Aber -
ausreichend Versteckmöglichkeiten vorausgesetzt, die im
übrigen auch von den Weibchen gebraucht werden - kann man
normalerweise 2-3 Männchen pro Aquarium pflegen. |
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